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Am 31.8.2015 sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bundespressekonferenz: "Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft - wir schaffen das!" "Diese Dinge" - damit war die gewaltige Flüchtlingswelle gemeint, die über die Balkanstaaten aus dem Nahen Osten und Nordafrika zu uns kam. Seitdem hat die Diskussion über die Frage der Integration von Migranten an Heftigkeit enorm zugenommen.

Am 9.10.2017 saßen sechs Expert/innen zum Thema Integration auf der Bühne der Europaschule:

- Annette Seiche, die Integrationsbeauftragte der Stadt Kerpen (Foto 2.v.r.)

- Tamer Kandmir, Mitglied des Integrationsrates der Stadt Kerpen (l.)

- Heinrich-Georg Winkler, Polizei Hürth, Konttaktbeamter für muslimische Institutionen (2.v.l.)

- Ruza Andlar, Leiterin des Amaro Kher Projektes Köln, einer Schule für Roma und Sinti (3.v.l.)

- Burak Altunalev, Jura-Student, ehemaliger SV-Sprecher der Europaschule (r.)

- Estrella Löwe-López, Lehrerin, Leiterin des Erasmus-Projektes "Wir in Europa - Zukunft gestalten (Integration von Minderheiten und Benachteiligten)" (3.v.r.)

Die Moderation hatte Bernd Woidtke (Foto Mitte).

Der Moderator verwies darauf, dass Integration in Deutschland eine lange Geschichte hat. Ende des 19. Jahrhunderts waren Hunderttausende von Polen ins Ruhrgebiet gekommen, um dort im Bergbau und der Stahlindustrie zu arbeiten. Die Aufstellungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg gaben ein beredtes Zeugnis davon ab: Hans Tilkowski, Heinrich Kwiatkowski, Erich Juskowiak, Horst Szymaniak und andere waren die Spieler - deutscher Vorname, polnischer Nachname - deutliche Symbole für gelungene Integration!

Frau Seiche verwies darauf, dass man auf vier Ebenen Integration erreichen müssen: Sprache, Wohnung, Arbeit, Akzeptanz in der Bevölkerung. Sie selber arbeitet seit Jahren mit großem Engagement für die Stadt Kerpen an diesem Ziel. Burak Altunalev betonte, dass er durch die Europaschule eine sehr gute Voraussetzung geboten bekommen hatte, um sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, diese Chance haben nicht alle Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Kerpen. Ruza Andlar zeigte sehr anschaulich auf, mit welchen Schwierigkeiten ihre Schülerinnen und Schüler an der Roma-Schule zu kämpfen haben: Wenn ein Roma-Kind nicht zur Schule kommt, geht es nicht darum, dass es "keinen Bock" hätte ("bok = Hunger in der Sprache der Roma, Romanes, ), sondern dass es familiäre Probleme, wie Armut oder Wohnungsnot, gibt. Herr Winkler erläuterte, dass sich die Polizei seit einigen Jahren bemühe, Beamte mit Migrationshintergrund zu bekommen, dadurch werde die Polizeiarbeit stark erleichtert. Tamer Kandemir erzählte vom Projekt der muslimischen Begräbniskultur in Kerpen: Nach muslimischem Brauch muss ein Toter sehr schnell beerdigt werden, und zwar ohne Sarg! Das verhinderte lange Zeit die kerpener Friedhofssatzung, das Problem habe man inzwischen gelöst, in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, wie Frau Seiche bestätigte. Estrella Löwe-López berichtete von ihrer persönlichen Migrationsgeschichte: Als sie 1991 nach Deutschland kam, konnte sie kein Wort deutsch. Ihre sehr wortgewaltige Schwiegermutter habe so lange auf sie eingeredet, bis sie in der Lage war, mitzureden und das habe ihr sehr geholfen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

Alle auf dem Podium waren sich einig: Integration ist eine gewaltige Anstrengung, für die Migranten ebenso wie für die deutsche Gesellschaft, aber im besten Fall haben beide Seiten davon unschätzbare Vorteile! Ein sehr intensiver dritter Block an der Europaschule, eine sozialwissenschaftliche Lehrstunde für die SoWi-Kurse der Jahrgangsstufe 11.

Fotos Jochen Schnabel

Fotos Max Krüger

Bernd Woidtke