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Johannes Schumacher in ungewohnter Körperhaltung

Der Mann ist ein Phänomen: Nicht besonders groß, rundlich, gemütlich, Vollbart, immer ein fröhliches Lächeln im Gesicht – stellt man sich so den Dirigenten einer Big-Band vor?

Gleichzeitig den Organisator unzähliger Konzertreisen ins In- und Ausland? Gleichzeitig den Motivator für junge Musikerinnen und Musiker? Oder den eigenen Pressereferenten? Oder den Plakatkünstler für die Konzert-Promotion? Oder den Rote-Zettel-Autor, den letzten seiner Gattung? Oder den Erfinder verschiedenster Konzert-Formate – Big-Band-Abend, Rhythm&Brass, Musikabend, Liederabend, Rockforum, Weihnachtssingen und anderem mehr? Oder den musikalischen Müllenborn-Jugendherbergsvater? Müsste der nicht ein schmaler, ausgemergelter, nervöser Typ sein, gehetzt von all seinen Terminen, vom Stress gezeichnet?

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Seine berühmte 23 Jahre alte Jeansjacke hat ausgedient: Die Musiker schenkten ihm ein neues Qutfit!

Nö. So ist er nicht. Der Johannes Schumacher. Hinter seiner rundum gemütlichen Fassade muss es zwar immerzu gebrodelt haben, mehr als 20 Jahre lang, ein aktiver musikalischer Vulkan, mit dosierten Ausbrüchen, mit fulminanter Kreativität. Er aber hatte das Mittel gegen den Stress: linke Hand die Zigarette, rechte Hand die Jumbo-Kaffeetasse. Schumacher suchte man nicht im Lehrerzimmer, sondern im Big-Band-Raum oder... na, ihr wisst schon.

Jeder Vulkan setzt sich mal zur Ruhe. So entschied Johannes Schumacher: Jetzt ist es genug, ich übergebe die Leitung der Big-Band mit allem Drum und Dran in jüngere Hände, nämlich die der Kollegin Johanna Gesell – von Johannes zu Johanna, das kann nur gut gehen!

Natürlich findet eine solche Taktstock-Übergabe nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern vor einem riesigen Auditorium und mit Heerscharen an Musikerinnen und Musikern! Die Big-Band der Europaschule spielte, außerdem die Big Band der Gesamtschule Kerpen-Sindorf (Leitung: Martin Endrös), das Jugendblasorchester Sebnitz (Leitung: Matthias Hauschild), der St. Marien Musik-Chor Köln-Weiden (Leitung: Georg Di Filippo) und das Trio JuMaiTa (Judith Krebs, Gesang, Maike Lindner, Cajon, Tatjana Thybussek, Klavier, unterstützt von Björn Heinrichs, Bass).

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Johannes Schumacher dirigiert die größte Big-Band der Welt (Das bleibt hier so stehen, bis jemand das Gegenteil beweist!)

Diese Formationen spielten zunächst Stücke aus ihrem Repertoire. Am Ende dann kuschelten sie sich eng auf der Bühne aneinander: 130 Musiker inklusive Instrumente auf der Aula-Bühne – das ergab einen Sound, so gewaltig wie ein startender Düsenjäger, wie Johannes Schumacher schmunzelnd vermerkte.

Und natürlich gab es Lobreden ohne Ende – alle bis zum letzten Wort mit voller Berechtigung! Die Schulleiterin Tatjana Strucken bemerkte, dass Kerpen bis zu Schumachers Amtsantritt 1994 möglicherweise kein hochmusikalisches Pflaster gewesen sei – was sich natürlich seitdem total geändert hat! Judith Krebs und Joest Eilers zählten in ihrer – logischerweise langen! – Rede sämtliche musikalischen Heldentaten des Impresarios auf. Die befreundeten Big-Band-Leader schwärmten von der jahrelangen Zusammenarbeit. Langgediente Big-Band-Musiker berichteten von erstaunlichen Ereignissen der Vergangenheit, und jede dieser Geschichten endete mit einem: Danke, Johannes Schumacher!

Fotos

Bernd Woidtke