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Max Krüger, Kamera und Schnitt (r.), Moritz Kühn, Regie und Schauspiel (2. v. r.), Jan Koch, Schauspiel (3. v. r.)

„Schülerfilm ab! Take 2 Hintergrund“ – Ein komplizierter Titel für ein faszinierendes Festival. „Take 2“ heißt dabei: Zum zweiten Mal fand dieses Festival nun statt.

15 Filme von rheinischen Schulen waren eingeladen: Hansa-Gymnasium, Herder-Gymnasium, Albertus-Magnus-Gymnasium, Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, alle Köln, Abtei-Gymnasium Brauweiler, Inda-Gymnasium Aachen, Europaschule Kerpen. Diese Schulen lieferten Beiträge, manche gleich mehrere.

Erstaunlich: Viele der ausgewählten Filme hatten einen düsteren, horrorfilmartigen Plot: In einem verwunschenen alten Fort fallen erst Ziegelsteine von der Decke, dann stürzen Menschen in den Abgrund, dunkle Gestalten verbreiten eisige Angst. Identitätsprobleme Jugendlicher wurden vielfach thematisiert: Die innere Gespaltenheit wurde eindrucksvoll gezeigt, Anpassung oder Selbstbehauptung, der Einzelne und die Gruppe.

Aus dem Literaturkurs von Nicole Lapczynski wurde ein beeindruckender Film für das Festival ausgewählt: „Herbst“ in der Regie von Moritz Kühn, Kamera: Max Krüger, Darsteller: Moritz Kühn und Jan Koch. Der Film basiert auf dem Gedicht „Herbst“ von Rainer Maria Rilke, veröffentlicht am 11.9.1902:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
 
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
 
Wir alle fallen, diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
 
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.
 

Der Film enthält unglaublich starke Bilder, verbindet das 115 Jahre alte Gedicht mit aktuellen Kriegsbildern, gefallenen Soldaten und elegischen Friedhofsimpressionen. Eine drohnenunterstützte Kamerafahrt aus einem kleinen Friedhof über herbstliche Bäume gehört zum Stärksten, was filmisch an der Europaschule je gedreht wurde!

Der Film konnte sich messen mit den anderen Arbeiten, denen eines gemeinsam war: eine phantasievolle Geschichte, umgesetzt mit überraschend professionellen Kamera- und Schnitt-Techniken und sehr guten Schauspielerleistungen. In einigen Jahren, wenn die Kerpener Produzenten bei den großen Filmfestivals ihre Arbeiten zeigen, werden sie in ihren Dankesreden sagen: „Wir werden nie unsere Wurzeln am Gymnasium Kerpen vergessen, wo alles anfing...“

Fotos

Bernd Woidtke