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Die Europaschule Kerpen trägt ihren Titel seit mehr als 20 Jahren – zu recht, wie wir finden. Das Sprachenangebot, die Austauschprogramme, die Comenius- und Erasmus-Projekte, die Europawoche, unzählige Vorträge und Veranstaltungen, Europa im Unterricht. Wer die Europaschule mit dem Abitur verlässt, sollte ein guter Europäer, eine gute Europäerin sein.

Um so mehr irritiert in den letzten Jahren, wie viele Menschen mit Europa Negatives verbinden: Zu viel Bürokratie, zu mächtige Lobby-Einflüsse in Brüssel, zu viel Gemauschel hinter verschlossenen Türen, so klagen manche. Wo bleibt das Positive? Europa ist eine Erfolgsgeschichte seit 60 Jahren. Am 25. März 1957 unterschrieben die Vertreter der sechs Gründungsmitglieder – Italien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland - die Römischen Verträge: Die Gründungsakte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, später Europäische Gemeinschaft, heute Europäische Union. Nie in der Geschichte dieser Welt hat es einen solchen wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluss gegeben. Nie haben mehrere Staaten (Eurozone: 19!) ein und dieselbe Währung gehabt. Niemals gab es in Europa eine längere Phase des Friedens.

Gegen die EU-Kritiker, die Brexit-Anhänger, die Wilders-, Le Pen- und Grillo-Fans erheben sich inzwischen parteiübergreifend Stimmen, die für die Europäische Union eintreten. Die Bewegung „Pulse of Europe“ ruft an jedem Sonntag um 14 Uhr in 65 deutschen Städten zu Kundgebungen für den Europäischen Gedanken auf. 12 Europäische Länder sind daran beteiligt, darunter auch Großbritannien!

Am Sonntag, den 2 April 2017, trafen sich die Europafreunde auf dem Roncalliplatz neben dem Kölner Dom. 3500 Menschen hörten den Song „Unsere Stammbaum“, live von den Bläck Fööss gesungen. Sie waren ergriffen von den Worten des Kölner Pfarrers Franz Meurer, der in kölscher Mundart die Menschen zu mehr Solidarität aufforderte, egal ob im Veedel oder mit den Nachbarländern. Und sie lachten über Manni Breuckmann, den Ex-Fußballreporter des WDR, der immer für einen Witz gut ist, der aber als Schalke-Fan kein Verständnis dafür hat, wenn die Fans beim Derby Schalke-BVB sich gegenseitig den Tod an den Hals wünschen: „So fängt Rassismus an!“

Eine ergreifende Veranstaltung, die Hoffnung macht, dass das europäische Projekt auch nach 60 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen zählt!

Bernd Woidtke