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Interviews und Kommentar von Leon Paul, Klasse 8.8

Erneut taten sich viele Lehrer zusammen, um das diesjährige Lehrertheater einzuüben. Am vergangenen Wochenende wurden zu den ersten beiden Aufführungen in unserer Aula alle Freunde der Europaschule eingeladen. Die Lehrer brachten das Publikum mit der satirischen Komödie "Das Pferd" zum Lachen. Zu diesem Anlass interviewte ich die Schauspieler Frau Adam (Ameana) und Herrn Deventer (Selanus), wie auch die Regisseurin Frau von Freeden über ihre Erfahrungen und Eindrücke.

Was ist das Lehrertheater? Darauf werden die meisten Schüler wohl schnell eine Antwort finden, denn die Veranstaltung ist eine Art Kult an unserer Schule geworden. Bereits seit 1985 schließen sich regelmäßig Lehrer zu einer Gruppe von Laienschauspielern zusammen, um eine Komödie einzuüben. Im Publikum, das aus Schülern, aber auch vielen Erwachsenen besteht, wird dabei immer kräftig gelacht. 

Dieses Jahr entschied man sich für die satirische Komödie "Das Pferd" von Julius Hay, welche im alten Rom spielt. Der Inhalt ist viel skuriler, als man denken könnte: Der sich selbst vergöttlichende Kaiser Caligula (Thorsten Endres) ist nämlich so begeistert von dem Pferd Incitatus, dass er es zum Konsul ernennt. Um dem Kaiser zu gefallen, bricht in Rom plötzlich eine Pferdemode aus, die Menschen galoppieren wiehernd und tragen dabei einen Pferdeschwanz. Dazu begeistert es das Publikum, bekannte Lehrer auf der Bühne zu sehen. Wie kommt so etwas eigentlich zu Stande und wie fühlen sich die Lehrer in diesen verrückten Szenen? 

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Mareike Adam spielte die Ameana, die Frau, in die der Protagonist und Pferdebesitzer Selanus verliebt ist, und erklärte sich für ein Interview bereit:

Wie sieht eigentlich so ein Wochenende aus, an dem man ein Lehrertheater macht und vorbereitet?

Adam: Bevor wir so ein Wochenende miteinander verbringen, haben wir schon ein ganzes Jahr geprobt. Dabei werden erstmal die Szenen herausgegriffen, bei denen die gleiche Besetzung auftritt. Nach einem Jahr treffen wir uns tief in der Eifel, in einem abgeschiedenen Probenhaus, wo wir dann das Stück durchproben können. Und da kommt dann die Atmosphäre auf, in der wir das ganze Stück durchspielen. 

Und wie fühlt es sich an zu wissen, dass viele Schüler einem zusehen, wie man bei einer Komödie mitmacht und wie sind die Reaktionen der Schüler darauf?

Adam: Es fühlt sich natürlich zuerst ganz komisch an und man ist unheimlich aufgeregt. Aber es ist eigentlich schön, den Schülern mal etwas zurückzugeben. Ich glaube, dass es die Verbindung zwischen Schülern und Lehrern stärkt, wenn sie sehen: "Guck mal, die machen sich für uns mal richtig zum Deppen!

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Auch Simon Deventer alias Selanus, der junge Pferdebesitzer vom Lande, äußerte sich gerne dazu. Er nahm zum ersten Mal am Lehrertheater teil.

Wenn man angesprochen wird: "Wir würden gerne so ein Theater machen, wo Lehrer etwas Lustiges machen und die ganze Schule soll dort zugucken!", wie reagiert man da als Lehrer drauf?

Deventer: Im ersten Moment, wenn man weiß, dass es hier die Tradition des Lehrertheaters gibt, ist das eine große Herausforderung und Ehre gleichzeitig, angesprochen zu werden. Auf der anderen Seite hat man die Idee dahinter: Das ist schon eine große Aufführung, da kommen 4 mal 300 Leute, vor denen man sich ein wenig zum Affen machen muss. Das ist schon eine kleine Überwindung, aber wenn man sich denkt, dass es für Schüler, Eltern und andere Freunde der Schule ein großer Spaß ist, ist das schon toll. Da macht man das auf jeden Fall gerne!

Wie reagieren die Schüler, wenn die herausfinden: "Mein Lehrer macht bei diesem Theater mit!“?

Deventer: Die erste Frage ist immer: "Was spielen sie eigentlich?" Ich habe das immer nach dem Motto "Lasst euch überraschen!“ gemacht. Einige gucken skeptisch und denken: "Was wird denn jetzt? Was macht der Deventer da?" Aber ich hatte sogar Situationen, wo viele sagten: "Wir freuen uns total, dass Sie mitspielen und dass der und der Lehrer und die und die Lehrerin mitspielt! Wir kommen auf jeden Fall!" Die erwarten dann Großes. Das erhöht den positiven Druck natürlich umso mehr. 

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Natürlich wollte ich auch gerne wissen, wie die Zusammenarbeit mit den Lehrern so war. Wie haben sich wohl die Lehrer bei den Proben angestellt? Dafür hatte die Regisseurin Christiane von Freeden wohl den besten Überblick!

Wie ist eigentlich die Zusammenarbeit mit Lehrern an einem Theater?

von Freeden: Ich habe viel Theater inszeniert, in meiner Zeit als Lehrerin hier. Viel mit Schülern, aber auch mit Lehrern. Mit Lehrern ist es schon anders. Wenn ich eine Theater-AG habe, kann ich viel klarer sagen: "Wir machen jetzt das!" Wenn man mit erwachsenen Kollegen arbeitet, muss man schon vorsichtig sein. Wenn ich einem Sechstklässler sage: "Jetzt hüpf mal über die Bühne und kicher dabei“, dann macht er das. Wenn ich das einem Lehrer sage, fragt er: "Wie meinst du das?" Erwachsene müssen sich erst überwinden, bevor sie aus sich herauskommen! Das macht man als Kind leichter. Meine Aufgabe war es, alle ein wenig zu motivieren. Und siehe da: Irgendwann kommt dann der Mut! Der Mut sich verrückt für eine Komödie zu zeigen!

Und wie reagieren die Lehrer als erstes darauf, wenn man ihnen sagt: "Ich würde gerne eine Komödie inszenieren, mit Lehrern, die etwas Lustiges machen und damit vor der ganzen Schule auftreten"?

von Freeden: Die Lehrer bei uns kennen ja das Lehrertheater. Das gibt es seit 1985 und wir haben so alle 3 Jahre, häufiger geht´s  nicht, denn das ist sehr viel Arbeit, ein Stück aufgeführt. Wenn ich also sage: "Hey Leute! Ich habe ein neues Stück gefunden, bei dem 25 Personen mitspielen können! Wer hätte denn wieder Lust?" Die meisten sagen: "Ja, ich will. "Es war eigentlich nicht schwer, diese 25 Personen zusammen zu kriegen. Beispielsweise der Selanus, Herr Deventer, ihn kannte ich in der Schule garnicht. Wir haben uns kennengelernt und siehe da: Er stellte sich als wunderbarer Schauspieler heraus! Und ich denke mir, die Lehrer, die jetzt im Publikum sitzen, da wird jemand dabei sein, der sich denkt: "Guck mal, was die sich getraut haben! Die scheinen auch viel Spaß gehabt zu haben! Vielleicht hätte ich auch mal Lust, da mitzumachen!"

Beim letzten Lehrertheater waren wir im antiken Athen, dieses Mal im alten Rom und wissen wir, wo die Reise beim nächsten Theater hingeht?

von Freeden: Nein, dass wissen wir noch garnicht. Die Schwierigkeit ist es immer, ein Stück zu finden, in dem so viele Leute mitspielen. Aber auch ein Stück zu finden, ein witziges, ein Gutes, was sowohl für Schüler, als auch für die Erwachsenen akzeptabel ist, was nicht blöd ist, was intelligent ist, wo sich niemand blamiert, aber viel gelacht werden kann, das ist richtig schwierig. Ich bin ja schon 4 Jahre pensioniert, vielleicht wird sich jemand aus der jungen Gruppe finden, der die Gruppe als Regisseur übernimmt. 

Mir persönlich hat das Lehrertheater sehr gut gefallen. Für Laienschauspieler, also Schauspieler ohne professionelle Ausbildung, fand ich die Rollen theatralisch schön dargestellt. Der Inhalt bot, wie im Interview erzählt, eine sehr große Reichweite unter den Zuschauern und unterhielt auf lustige wie auch auf satirische Weise. Daumen hoch! Ich kann Frau Adam auch beim Thema "Schüler-Lehrer-Verbindung" zustimmen. Bei den Schülern werden Lehrer natürlich hauptsächlich durch ihren beruflichen Dienst, den Unterricht, wahrgenommen. Da ist es einfach interessant und lustig, die menschliche und humorvolle Seite deutlich zu sehen. Verbesserungsvorschläge habe ich nur in wenigen kleinen Punkten. Den Anfang des Stücks fand ich, vom Humor, ein wenig zäh. Ich fand ihn zwar inhaltlich unterhaltend, jedoch sieht man sich eine Komödie (unter anderem) mit der Absicht an, viel Lachen zu können, weshalb ich mich ein wenig auf den nächsten großen Witz "wartend" gefühlt habe. Dieser Humor wurde, meiner Ansicht nach, aber erst im Hauptteil wirklich stark. Nichts desto trotz, sehr großes Lob und ich freue mich auf das nächste Lehrertheater! 

Und falls ihr das Spektakel noch nicht erlebt habt: An diesem Wochenende (18.3., 19:30 Uhr, und 19.3.2017, 17:00 Uhr) könnt ihr das nachholen! Mehr Infos dazu: http://gymnasium-kerpen.eu/819-das-pferd-eine-politische-komoedie.html