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Am 31. Januar 2017 fand erneut unser Schulfinale des bundesweiten Schülerwettbewerbs "Jugend debattiert" statt. Freiwillige Teilnehmer aus der 8. Klasse debattierten in 2 Vorrunden zu einer These, in Gruppen von 4 Personen, von denen je 2 den Pro- und 2 den Contra-Standpunkt vertreten sollten.

Die 4 besten Teilnehmer zogen in das Finale ein und debattierten um die 2 Qualifikationen zum Regionalfinale. Über einen Sieg im Schulfinale und dem Einzug ins Regionalfinale können sich Kira Wollenweber (Klasse 8.5) und Lara Cokluk (Klasse 8.1) freuen. Auf den 3. Platz kann Sonja Elberfeld (Klasse 8.6) stolz sein und den 4. Platz erkämpfte sich Rojin Köymen (Klasse 8.6).

Wie ist der Wettbewerb abgelaufen? Was hielten die Teilnehmer davon? Zu welchen Themen wurde debattiert? Meine Befragten und ich waren als Teilnehmer beim Wettbewerb aktiv und beschreiben euch, was wir erlebt haben!

Die ganze Geschichte begann für uns Schüler in einem scheinbar normalen Deutschblock: die Lehrerin kommt ins Klassenzimmer und alle begrüßen sich. Doch die Freude stieg rasch, als Frau Frank uns erklärte, unser nächstes Unterrichtsthema hätte etwas mit Argumentation, Diskussion und Debattieren zu tun. Der achte Jahrgang beschäftigte sich somit eine Zeit lang mit diesem Thema, unter anderem ging es in einer Klassenarbeit thematisch darum, Argumente zu sammeln und seine Meinung zu begründen. Doch das Highlight dieser Unterrichtsreihe war für viele wohl der Schülerwettbewerb "Jugend debattiert".

Debattiert wird in einer Gruppe von 4 Personen, über eine These, wie zum Beispiel: "Soll jeder Schultag mit einer Stunde Fitness beginnen?" 2 der 4 Debütanten einer Gruppe vertreten den "Pro" - Standpunkt (also für eine Stunde Fitness am Schulmorgen) und die anderen 2 vertreten den "Contra" - Standpunkt (also gegen eine Stunde Fitness). Die Standpunkte werden gelost.

Nach langem Vorbereiten in der Schule, aber auch zuhause, trafen wir Teilnehmer uns am 31.Januar 2017 in der Schule. Nacheinander kamen die aufgeregten Schüler am Austragungsort, dem Raum 155, an und nach einer kurzen Willkommensrede wurden uns unsere Standpunkte zugeteilt. Wir begannen mit der These: "Soll jeder Schultag mit einer Stunde Fitness beginnen?" Ich sollte mit Kira Wollenweber den Contra-Standpunkt vertreten. Bei unserer Besprechung ist mir erst aufgefallen, wie gut viele Teilnehmer vorbereitet waren. "Wir sollten Argumente, mit denen man gut die Pro-Argumente kontern kann, für das Ende übrig lassen", schlug ich Kira vor. "Ja, zum Beispiel das Argument: Schüler wären nach einer Zeit wahrscheinlich sehr genervt vom regelmäßigen Sport am Schulmorgen, dann würde sie sich im Unterricht nicht besser konzentrieren können, sondern eher müde und wütend sein", ergänzte sie und wir markierten unsereArgumente auf unseren Vorbereitungszetteln. Ein wenig später trafen wir unsere Konkurrenten, die Pro-Seite unserer Vierergruppe, und glücklicherweise verstanden wir uns dafür, dass wir gleich in einem Wettbewerb gegeneinander antreten würden, sehr gut. Wir wünschten uns Glück, bevor wir kurze Zeit später zu unserem Debattenraum aufbrachen.

In dem Klassenraum, in dem wir debattieren sollten, standen für uns Debütanten ein Tisch für die Pro-Seite und einer für die Contra-Seite nebeneinander, so angewinkelt, dass man sich gegenseitig, aber auch die Jury, die in einer Sitzreihe vor uns saß, sehen konnte. Die besagte Jury bestand aus 4 SchülerInnen der Klassen 10-12. Sie stellten sich kurz vor und erklärten uns, dass wir kurz warten sollten, bevor es losging. Plötzlich wurde es still im Raum, die Debütanten gingen im Kopf ihre Argumente durch und flüsterten ihren Partnern noch spontane Tipps zu, während sich die Jury wortlos ihre Bewertungsbögen durchlas. Eine Debatte ist zeitlich strikt strukturiert, sie beginnt mit einer 2-minütigen Eröffnungsrede jedes Teilnehmers, P1 beginnt, dann C1, P2 und C2. In der Eröffnung erklärt P1 das Thema der Debatte und führt aus, was genau mit der These gemeint ist, dabei werden Fachbegriffe erklärt, Beispiele genannt und die Maßnahme, die etwas verändern soll erläutert. Erste Argumente werden ebenfalls genannt oder die Argumente der Vorredner mit Gegenargumenten gekontert.

Daraufhin gibt es eine offene und freie Aussprache von 12 Minuten und am Ende folgen die Schlussworte der Debütanten, die je maximal eine Minute lang sein dürfen. Die Ende der jeweiligen Redezeit wird mit dem Klingeln der "Debattenglocke" von der Jury verdeutlicht. Bewertet werden die Kategorien: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Mittlerweile  war die Jury bereit und gab uns den Startschuss. Ich muss sagen, dass mich unsere Debatte positiv überrascht hat. Sie kam mir sehr professionell, aber auch ruhig und interessant vor. In meinen Augen haben die Debütanten Argumente gut verdeutlicht, Beispiele genannt und auch Alternativen und Lösungsvorschläge zu Problemen gegeben. Die Pro-Seite schlug beispielsweise vor, eine Stunde des ersten Blocks für Sport zu nutzen und das Problem, man hätte nicht genug Platz für alle in der Turnhalle, konterten sie damit, dass man Fitness auch in der Schule, wie zum Beispiel in der Aula, machen könnte oder nach draußen gehen kann. Sie erwähnten Studien, die bewiesen, dass Sport nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Konzentration ist. Wir, die Contra-Seite, sahen ein Problem im Zeit-, Personal- und Platzmanagement und vertraten das Argument, dass zu viel Sport in der Schule die Schüler ermüden und nerven könnte, was schlecht für die Begeisterung am Sport ist. Dies könnte laut uns sogar der Gesundheit und dem sozialen Leben schaden, denn womöglich würden sich weniger Menschen in Sportvereinen anmelden und zuhause von Sport und Schule gestresst sein. Nach der Debatte erhielten wir ein kurzes und individuelles Feedback von der Jury. Mein Eindruck von der Debatte war letztendlich gut, die Atmosphäre war sehr angenehm und die Debatte lief sozial und professionell ab. Ich fand es jedoch etwas fraglich, dass die verschiedenen Gruppen von verschiedenen Personen bewertet wurden.

Nach einer Pause kam es dann zu einer zweiten Debatte zum Thema: "Soll ein Mindestalter für Körpermodifikationen eingeführt werden?", mein Standpunkt war "Pro". Diese Debatte war ebenfalls ziemlich sozial und interessant, doch diesmal fand ich die These sehr kompliziert für eine Seite. Es ist ziemlich schwierig für die Contra-Seite, also dafür zu argumentieren, dass beispielsweise 8-jährige die Möglichkeit haben sollten, sich tätowieren, piercen und Schönheitsoperationen an sich durchführen zu lassen.

Die große Pause und gleichzeitig die Auswertung der Punkte in der Vorrunde stand nun an. Nach der Pause versammelten sich die Teilnehmer am Höhepunkt der Spannung wieder im Raum 155. Die Schüler lauschten bei der Bekanntgabe der Finalisten genau und zum Schluss standen die Finalisten fest. In der Finaldebatte ging es um die These: "Soll für die Nutzung von Sozialen Medien eine Klarnamenpflicht eingeführt werden?" Die Finalisten bewiesen erneut ihre Sachkenntnis und überzeugten mit kräftig formulierten und mit Beispielen gut in Szene gesetzten Argumenten. Nach einem Feedback und einer weiteren Besprechung der Juroren stand die Rangfolge fest:

Platz 1: Kira Wollenweber, Klasse 8.5

Platz 2: Lara Cokluk, Klasse 8.1

Platz 3: Sonja Elberfeld, Klasse 8.6

Platz 4: Rojin Köymen, Klasse 8.6

Zum Schluss meine Ansicht zu Jugend debattiert: Erstmals gratuliere ich den Gewinnern, die sich wirklich ins Zeug gelegt haben, wünsche den anderen talentierten Teilnehmern viel Glück weiterhin und bedanke mich bei der Organisation. Mir hat die Atmosphäre beim Wettbewerb sehr gut gefallen. Lehrer, Jury, Teamkollegen und sogar Gegner waren alle sehr nett und sozial. Ich glaube, dass hauptsächlich die Unterrichtsreihe, aber auch der Wettbewerb gelehrt haben, wie man frei spricht, wie man überzeugend spricht, wie man Argumente formuliert sowie aufbaut und natürlich wie man gut und sozial diskutiert, was einem im Sozialen und im Berufsleben weiterhelfen kann. Doch die Regeln des Wettbewerbs konnte ich nicht immer nachvollziehen. Mir gefiel das Prinzip des Debattierens nicht so gut, vor allem war es mir ein Dorn im Auge, dass man beim Debattieren nicht seine eigene Meinung vertreten kann, sondern einen Standpunkt zugewiesen bekommt. So kann man nicht seine eigenen Meinung vertreten, sondern muss eventuell einen fremden Standpunkt vertreten und "schauspielern". Darüber sprach ich auch mit unserer Deutschlehrerin, Frau Frank, als sie uns nach unserer Meinung zu Jugend debattiert fragte. Sie sagte, beim Debattieren geht es nicht direkt darum, seine eigene Meinung zu vertreten, sondern Argumente und Information lebendig und interessant darzustellen, sodass sich der Zuschauer der Debatte eine eigene Meinung bilden kann.

Doch das konnte meine Meinung nicht ändern. Ich bin dafür, dass man Schülern eher beibringt und sie darin fördert eine eigene Meinung zu entwickeln und diese auch zu vertreten. Vor allem in einer Zeit von großen polarisierenden Problemen, bei denen Menschen versuchen mit Hass, Hetze und Lügen auf ihre Meinung aufmerksam zu machen und sehr mächtige Personen, die auf "alternative Fakten" setzen, sollten Schüler lernen Argumente und Informationen kritisch zu hinterfragen und so ihre eigene Meinung zu entwickeln und zu vertreten. Menschen werden nicht dafür bewundert etwas gut vorzustellen, sondern ihre Meinung und dazugehörige Wünsche mit einer guten Idee durchsetzen zu können.

Leon Paul, Klasse 8.8

 

Nachtrag zum Regionalwettbewerb

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Am 17.02.17 fand der Regionalwettbewerb im Ville-Gymnasium in Erftstadt statt. Unsere Schulfinalisten (Kira Wollenweber, Lara Cokluk und Sonja Elberfeld) waren super vorbereitet und schlugen sich sehr, sehr tapfer.

Debattiert wurden die Thesen, „Sollen im Deutschunterricht regelmäßig längere Gedichte auswendig gelernt werden?“, „Sollen Bußgelder für Verschmutzungen des öffentlichen Raumes angehoben werden?“ und „Soll eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch aus Massentierhaltung eingeführt werden?“

In einem informativen Finale siegten Hanna Cappello vom Gymnasium Kreuzau und Sina Werner vom St. Michael- Gymnasium Bad Münstereifel.