Fotos von Jochen Schnabel

Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 7.3.14

  

Gut besucht war die diesjährige Lehrermatinee: Trotz letzter Korrekturberge, drohenden Zeugniskonferenzen und Halbjahrsendstress fand sich eine Gruppe unentwegter Pädagogen bereit, für ein dankbares Publikum zu musizieren. Unter den Zuschauern natürlich auch Eltern, Schüler und vor allem ehemalige Kolleginnen und Kollegen, die ein solches Event gerne nutzen, um mal zu sehen, was an der Europaschule los ist.

Das Kommen hatte sich gelohnt! Einen solchen musikalischen Bogen wie bei der Lehrermatinee dürfte es im internationalen Konzertgeschäft selten geben. Von Johann Sebastian Bach bis zu Amy Winehouse konnte man sich fast 300 Jahre Musikgeschichte anhören und dabei feststellen, wie Dr. Paland, einer der Mitwirkenden, bemerkte: Immer hatte Musik den Auftrag, die Menschen zu unterhalten!

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 Claudia Dickfoss, r., im Gespräch mit dem Gesangskombinat "Rote Stimmgabel"

Christiane von Freeden und Christian Eisenlohr präsentierten den Schlusschoral aus der Matthäuspassion, elegant, fehlerfrei und mit Ausdruck! Charmant und im Stil einer großen Jazz-Diseuse brachte Aniela Poloczek zwei Lieder zum Vortrag: "The Wind Beneath My Wings", bekannt durch Bette Mittler, und "A Night Like This", von Schreurs, van Wieringen und Degiorgio geschrieben und von Caro Emerald zu Hit gemacht. Dr. Ralph Paland steuerte seine pianistischen Künste bei.

Dann kam ein ganz besonderer musikalisch-visueller Höhepunkt: Friederike Heine, Eva Peters, Kerstin Schulz-Ahrens und Monika Theil erfreuten das Publikum bei ihrem Auftritt zunächst mit ihrem Outfit: Russische Bärenmützen (Ein Freudenfest für Anhänger nationaler Klischees) und bulgarische Gummihandschuhmützen (na klar, das trägt man dort...) waren der ironische Augenschmaus bei ihren beiden Liebesliedern aus Russland und Bulgarien. Nachdem Friederike Heine die Erklärungen in sächsischem Idiom brachte, wunderte sich niemand mehr über den Namen dieses bärenstarken Gesangskombinats: Rote Stimmgabel.

Martin Rümmler, seit Jahrzehnten an allen musikalischen Ereignissen maßgeblich beteiligt, zeigte seine Kunst an zwei Stücken: "Clarinet Concerto Nr. 2" von Malcolm Arnold und "The Pre-Goodman Rag" und bewies große musikhistorische Kenntnisse, doch davon später. Auch hier am Flügel. Dr. Paland.

Miriam Jähnig war Schülerin der Europaschule, hatte ein Praktikum hier absolviert, war angestellte Lehrerin in Kerpen, jetzt ist sie Referendarin bei uns - eine große Treue verbindet sie mit der Schule! Dass diese Zuneigung auch vom Publikum erwiderte wurde, zeigte der Applaus für ihren Song: "Lass jetzt los" aus dem Disney-Film "Die Eiskönigin".

Nicole Lapczynski hat nicht nur eine herausragende Stimme, sie spricht auch Französisch - dass sich diese beiden Eigenschaften bei dem Chansons "Ici" von Lara Fabian trefflich verbinden ließen, war ein großer Gewinn. Mit Oliver Strucken-Bathke brachte sie dann das famose Duett "Stay" von Rihanna zur Vortrag. Eva Peters begleitete am Klavier.

Zum Abschluss nochmal Oliver Strucken-Bathke und Bernd Woidtke (das in Kerpen weltweit bekannte Duo ErIch) mit einer Interpretation von "Rehab" von Amy Winehouse und einem selbstgetexteten und arrangierten Song mit dem einprägsamen Titel "The story of the Spanish guy who tried to impress my girl but couldn't get through to her because he drove the wrong car".

Und dann gab es da noch Jemanden. Eine solche Show wird ja zumeist moderiert, in den letzten Jahren durch den Ex-Musiklehrer, Ex-Chorleiter, Ex-Multiinterpret Herbert Vietor. Der war auch anwesend, konnte sich aber wegen anderweitiger Moderationsverpflichtungen (was Niemanden wundert, der ihn kennt!) diesmal nicht beteiligen. Die Organisatorin der Veranstaltung, Claudia Dickfoss, fragte Hinz, fragte Kunz, keiner wollte. Da sagte sie sich kurzentschlossen: Dann mache ich das selbst! Eine bahnbrechende Entscheidung! Nicht nur hatte sie sich perfekt vorbereitet, strahlte beste Laune aus, sondern sie brachte ein neues Moderationskonzept ein. Sie stellte den Künstlerinnen und Künstlern originelle Fragen und reagierte mit atemberaubender Schlagfertigkeit. Beispiel: Sie fragte Martin Rümmler, seit wann es sein Instrument, die Klarinette, gebe. Wie aus der Pistole geschossen (nicht abgesprochen!) erzählte er von Christoph Martin Denner, einem deutschen Instrumentenbauer des 18. Jahrhunderts, der der Schöpfer der Klarinette sei. Trocken meinte Claudia Dickfoss: "Das lasse ich mal gelten!"

Dass eine Schule solche musikalischen (und Moderations-) Talente hervorbringt, ist schon etwas Besonderes. Als Role-Models setzen die Lehrer ihre Schüler erheblich unter Druck. Vom 28.1. bis 2.2.14 fährt eine große Gruppe von Schülern zur Musikwerkstatt nach Müllenborn; sie wissen: die Lehrer-Konkurrenz ist groß, sie werden heftig üben müssen!

Bernd Woidtke