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Liebe hat mehr Treffer als Hass - so der Slogan einer TV-Werbung. Bei Google mag das stimmen – in den Jahrbüchern der Abiturienten leider nur bedingt.

Alle Jahre wieder präsentieren sich die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs in einem kurzen Steckbrief und diese werden dann als gesammelte Werke in einem Buch veröffentlicht. Dort erfährt man lustige Aspekte (Lieblingssitznachbar), Zukunftsvision (ich in 10 Jahren…), letzte Abschiedsworte und neben der Nennung der Lieblingslehrer existiert eben auch die Kategorie HASSlehrer.

Hass ist ein Gefühl, welches in einer Schule und in einer Lehrer-Schülerbeziehung nicht existieren sollte. Es ist völlig legitim jemanden nicht zu mögen. Es ist auch absolut legitim den Unterricht eines Lehrers oder einer Lehrerin nicht zu mögen oder sich dort zu langweilen oder die betreffende Person unsympathisch zu finden. Aber Hass erreicht ein trauriges Niveau, das dem gemeinsamen miteinander Leben und Lernen – ein Ethos, dem jedes Mitglied unserer Schule verpflichtet ist – widerspricht.

Als noch enttäuschender empfinde ich die Tatsache, dass dies als späte Rache in einem öffentlichen Raum geäußert wird, zu einem Zeitpunkt, an dem an dem Verhältnis zueinander nichts mehr geändert werden kann. Dies zeugt von wenig Reife, wirkt stellenweise sogar hinterhältig und lässt keinen Raum für eine Konfliktlösung.

Aus meiner Sicht sollte ein mündiger Bürger, der den höchsten Schulabschluss eines Landes erreicht hat, über so viel Reife verfügen, eine andere Lösung zu suchen. Konflikte zwischen Lehrern und Schülern sind so alt wie die Schule selbst. Aber der Umgang damit gestaltet sich variabel. Ein persönliches Gespräch, die Reflektion der eigenen Handlungen, die Unterstützung durch Klassensprecher, SV, Klassen- und Beratungslehrer wirkt doch oft schon deeskalierend und mindert die negativen Gefühle ab. Und auch wenn man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt – Hass und Rache bleiben die falsche Reaktion und übersteigern teils harmlose Situationen immens.

Einen meiner ehemaligen Lehrer hätte ich auch sofort als Hasslehrer in mein Abibuch schreiben wollen. Der Mann war streng – damals nannte ich es fies. Er war sehr direkt in Bezug auf meine Fähigkeiten und Kritik hört man ja selten gerne, erst Recht nicht, wenn sie stimmt. Klar, er hätte netter sein können oder mir etwas zum 1000x erklären können, aber das ist kein Grund jemanden zu hassen. Und ich bin mir heute  absolut sicher, dass er dieses Gefühl mir gegenüber auch nicht hatte.

Lehrer wollen Schülern auf ihrem Weg ins Leben helfen. Ihnen Wissen vermitteln und sie eben auch erziehen. Die Vielfalt der Erziehungs- und Unterrichtsmethoden birgt endloses Konfliktpotenzial. Damit verknüpft steht doch auch die Erkenntnis, dass Lernen nicht immer mit dem Weg des leichtesten Widerstandes verknüpft ist und somit erneut für Unmut sorgen kann. Vielleicht hilft dieses Bewusstsein die eigene Einstellung in Konfliktsituationen zu ändern. Die Person auf der anderen Seite können wir selten ändern, aber das eigene Denken und den Umgang mit Problemen schon. Dies heißt nicht, dass man sich alles gefallen lassen soll. Es heißt, dass man einen bessern Umgang mit Frustgefühlen finden soll, als eine späte Rache – im besten Fall eine konstruktive Kritik, wenn dafür bei Schüler und Lehrer genug Offenheit und Einsicht existiert. Denn wenn ein Hassgefühl entsteht, ist auf beiden Seiten etwas ins Ungleichgewicht geraten.

Insofern hoffe ich, dass zukünftige Abiturienten auf diese Kategorie des „Hasslehrers“ verzichten werden und dafür mehr Aspekte wie „Highlights der Schulzeit“,  „Wünsche für die Zukunft“ etc. aufnehmen.  Eine Schülerin formulierte sehr treffend an der Stelle des Hasslehrers: „Einige sind gewöhnungsdürftig ;-).“ – das stimmt. Und trifft exakt den Punkt: Man muss sich an Menschen gewöhnen, auch wenn man sie nicht mag, aber ohne Hass.

Eine passende Erinnerung für uns alle: http://gymnasiumkerpen.eu/41-gedanken-zur-zeit/206-wie-noten-fuer-mich.html

C. Dickfoss