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Diese Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses Lingner sehen normal aus - aber der Schein trügt! Ihre Filme verrieten etwas Anderes...

Am Ende des Schuljahrs tauchen sie aus dem Nebel auf - die zauberhaften Ergebnisse der Literaturkurse. Der Kurs von Mia Lingner machte den Anfang. Das Medium war der Film. Sieben kleine, gemeine, geheimnisvolle Clips voller irritierender Geschichten. "After Eight" zeigte das innere der Schule bei Dunkelheit. Umherirrende Schülerinnen, Lichtkegel aus Taschenlampen, Tafeln, die sich selbst beschreiben - und wieder löschen: Nightmare! "Jumper" zeigte, dass man Menschen an jeden Ort "telepathieren" kann - auch nicht gerade ermunternd - oder doch? Der längste Film - "Flying Fleischwurst" -, für viele der Höhepunkt des Festivals, erfüllte die im Titel geweckten Erwartungen: Geheimnisvolle Fleischwurstscheiben hängen auf Ästen, fliegen vorbei und weisen dem Helden den Weg durch den Urwald, bis er auf den Feind trifft, der sich dann als weinerlicher Wicht entpuppt.

"Deadly Illusion" bewies, dass man mit Drogen auch nicht weiter kommt. Ob man allerdings den opulenten Abspann unbekifft ersinnen konnte, muss noch geklärt werden... In "La le lu" setzten sich die verstörenden Ungereimtheiten fort: Ein Fahrrad parkt sich selbsttätig um, ein Kaffee trinkt sich selbst, Supermarktwaren führen ein bedenkliches Eigenleben. Eine kleine Entspannnung durften die Zuschauer in "Warten" erleben: Ein Mädchen träumt sich an der Bushaltestelle in seine Phantasiewelten: Sie gewinnt einen Oscar, phantasiert sich in eine große Liebe, die allerdings ziemlich bieder vor dem TV landet, um dann noch eine gute Note in der Schule herbeizuträumen. "Zero System" schließlich, eine Art Kerpener Italo-Western, bewies, dass wir alle von "dem System" ausgehorcht und unterjocht werden, aber der Kampf dagegen lohnt sich...

Wenn man als normaler SoWi-Mathe-Deutschenglischphysik-Lehrer in die Gesichter seiner Schüler schaut, hat man offenbar nicht den Schimmer einer Ahnung, welche Phantasien sich in ihren Klein- und Großhirnen die Hand geben - in den Filmen des Literaturkurses von Mia Lingner konnte man einen kleinen Zipfel dieser abgründigen Phantasiewelten erhaschen: Ein großartiges Theaterfest!

Bernd Woidtke