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Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin! Wofür Fußballvereine hart arbeiten müssen, um ins Pokalfinale nach Berlin zu kommen, das passiert den Schülerinnen und Schülern eines SoWi-LKs ohne größere Anstrengung: Traditionell fährt man in der 11 in die Hauptstadt, schließlich will man dann mal ganz nah dran sein an den Geschehnissen, über die man regelmäßig im Unterricht spricht.

Dabei war zunächst die Weselsky-Hürde zu nehmen: Weselsky ist, wie inzwischen jeder weiß, der Vorsitzende der Gerwerkschaft der Lokomotivführer( GdL), die pünktlich am Mittwoch, dem Vortag unserer Abreise, wieder mit einem Streik begonnen hatte. Interessanterweise aber waren wir die Nutznießer des Streiks: Unser Zug fiel aus, so dass wir umbuchen mussten. Wir landeten schließlich in einem ICE (kostenloses Upgrade!), sparten uns ein Umsteigen und hatten sogar Platzkarten!

In Berlin trafen wir zunächst Dr. Georg Kippels, den für unseren Teil des Rhein-Erft-Kreises zuständigen Bundestagsabgeordneten. Er kam gerade aus der Bundestagssitzung, die sich - indirekt - auch mit der GdL beschäftigt hatte: Das Gesetz über die Tarifeinheit war beschlossen worden. Es sieht vor, dass Unternehmen in der Regel nur noch mit der jeweils größten Gewerkschaft Tarifverträge aushandeln müssen. Das würde bedeuten, dass die bei der Deutschen Bahn kleinere GdL ins Hintertreffen geriete - was man durch den Streik eigentlich verhindern wollte.

Ein Besuch im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen zeigte die dunkle Seite der DDR: Hier wurden Regimegegner inhaftiert, verhört, psychisch und physisch gefoltert. Nach der Wende gab es nur einen einzigen weiteren Häftling in Hohenschönhausen: den ehemaligen Stasi-Chef Erich Mielke. Er beschwerte sich flugs über die schlechten Haftbedingungen und wurde in ein besseres Gefängnis verlegt - welche Absurdität! Unser Guide im Gefängnis war Henry Leuschner. Er war selber Insasse in Hohenschönhausen gewesen, nachdem er 1981 versucht hatte, über die DDR-Grenze zu fliehen. Hier kann man seine Geschichte nachlesen. 

Eine Stadtführung mit Reinhard Bahlow zeigte uns die Schönheit und vor allem auch die Größe der Stadt. Da es in Berlin viele Zentren gibt, war man zu Fuß und mit S- und U-Bahn länger unterwegs, als wir das aus Köln kennen. Vom Bahnhof Zoo ("Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") ging es zur Gedächtniskirche, zum Gendarmenmarkt, Potsdamer Platz, Brandenburger Tor mit dem beeindruckenden Holocaust-Denkmal, schließlich endete die Führung am Alexanderplatz, dem Zentrum Ost-Berlins zu DDR-Zeiten. 

Sehr beeindruckend ist der Dorotheenstädtische Friedhof, den wir, Anna Schulte und ich, am Samstag Nachmittag besuchten. Hier liegen auf recht kleinem Areal deutsche Geistesgrößen aus zwei Jahrhunderten: Hegel, Fichte, Brecht, Anna Seghers, Hanns Eisler, John Heartfield, Johannes Rau, Bernhard Minetti, Heiner Müller, Heinrich Mann, Dietrich Bonnhoeffer, der Kommunarde Fritz Teufel, Rudolf Bahro und viele andere.

Berlin hat so unendlich viel Kultur zu bieten - Theatervorstellungen im Maxim-Gorki-Theater und im Berliner Ensemble zeugten davon -, dass wir wie jedes Jahr mit dem Gefühl nach Hause fuhren: Berlin, Berlin - wir fahren wieder nach Berlin!

Bernd Woidtke