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Im naturwissenschaftlichen Unterricht des Gymnasiums Kerpen wird den Schülerinnen und Schülern an vielen Beispielen die Vorgehensweise bei der naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung nahe gebracht. Zudem werden selbstständig kleinere Forschungsprojekte durchgeführt, unter anderem in der naturwissenschaftlichen Projektwoche für die 7. Klassen und bei naturwissenschaftlichen Facharbeiten in der Oberstufe (Q1). Im Schuljahr 2014/15 wird zudem erstmals ein Projektkurs Verhaltensökologie in der Q 1 (Jahrgangsstufe 11) angeboten.

Auch hierbei ist der Weg wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung zur Erklärung von Verhalten zentraler Unterrichtsinhalt.

Es kommt aus Zeitgründen und wegen aufwändiger Bewilligungsverfahren für eine Finanzierung selten vor, dass Lehrer selbst an aktuellen Forschungsvorhaben beteiligt sind. Wenn dies doch der Fall ist ist, bietet es die besondere Möglichkeit, einerseits die aktuellen Anforderungen an Forschungsvorhaben in Schulprojekte zu integrieren und andererseits die praktischen Erfahrungen bei solchen Forschungsprojekten den Schülerinnen und Schülern sowie den Kollegen direkt zu Gute kommen zu lassen.

In diesem Jahr gelang dies einem Kollegen der Europaschule! Ein Forschungsantrag von Herrn Dr. Marko Spieler, Biologie-und Chemielehrer unserer Schule und von Herrn Dr. Mark-Oliver Rödel, wissenschaftlicher Leiter für Herpetologie am Naturkundemuseum Berlin wurde vom Wilhelm-Peters-Fond und dem Museum für Naturkunde Berlin finanziert. In den Sommerferien 2014 fuhren die beiden für drei Wochen in das Forschungscamp des Comoé Nationalparks in der Elfenbeinküste (Westafrika).

In einem der größten Savannen-Nationalparks Afrikas sollten die Auswirkungen der sehr stark zurückgegangenen Säugetierpopulationen am Beispiel der Veränderungen der Amphibienfauna untersucht werden. Der Zustand der Amphibienfauna war vor dem Zusammenbruch der Säugetierpopulationen intensiv von Herrn Dr. Spieler und Herrn Dr. Roedel im Rahmen ihrer Dissertationen untersucht und dokumentiert worden. Viele der Laichgewässer der Amphibien lagen weit verstreut in der Savanne und wurden von den Säugetieren als Tränken und Badestellen genutzt. Dadurch wurden die in die Tümpel hineinwachsenden Pflanzen regelmäßig zurückgedrängt und es entstandenen offene Wasserflächen. Der Forschungsaufenthalt 2014 im Forschungscamp der Universität Würzburg zeigte, dass viele Gewässer bereits verlandet sind oder so dicht bewachsen sind, dass offene Wasserflächen kaum noch zu finden sind. Dies hat bereits deutliche Veränderungen der Amphibienfauna verursacht. Alle in Campnähe existierenden ca. 50 Tümpel wurden per GPS eindeutig erfasst und die Anzahl und Artenzusammensetzung der darin lebenden Kaulquappen mit standardisierten Methoden bestimmt.

Ziel des Projektes ist zu belegen, dass das Verschwinden der großen afrikanischen Säugetiere, wie Antilopen, Büffel und Elefanten, einen erheblichen Einfluss auf das gesamte Ökosystem hat und viele andere Tierarten vom Rückgang der Säuger betroffen sind. Die Forschungsergebnisse sollen unter anderem den entsprechenden Behörden zusätzliche Argumentationshilfe liefern, um die verbliebene Rest-Säugetierpopulation intensiv zu schützen und damit dieses Savannenökosystem zu erhalten.

Wir finden es toll, dass Herr Dr. Spieler in den Sommerferien so viel Engagement aufgebracht hat und wir als Schule damit etwas näher an einem aktuellen Forschungsvorhaben beteiligt sein können und von seinen Erfahrungen profitieren können. Weitere Berichte zu den Ergebnissen folgen in Kürze!

Fotos

Jutta Salz (Koordinatorin für den Mint-Bereich)