Charles Schwarz 21 03 2019

Das Gymnasium der Stadt Kerpen – Europaschule – und das Stadtarchiv Kerpen, die im Rahmen ihrer Bildungspartnerschaft schon einige Projekte realisiert haben, präsentieren nun das Ergebnis einer weiteren Zusammenarbeit. Dabei geht es um die Lebens- und Familiengeschichte des 1932 in Kerpen geborenen Juden Karl-Philipp Schwarz, der zusammen mit seiner Mutter 1938 nach Frankreich geflohen ist und mit ihr den Holocaust anders als sein deportierter und ermordeter Vater im Untergrund überlebt hat.

Als Projekt der Bildungspartnerschaft wird diese Arbeit vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen mit Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland materiell und immateriell gefördert.

Ein Französisch-Kurs des Gymnasiums hat die von Charles Schwarz in französischer Sprache verfasste Chronik unter Leitung von Bettina Macherey übersetzt und so die Grundlage für den so genannten BIPARCOURS – eine Art digitaler Schnitzeljagd – geschaffen, den ein von Markus Potes geleiteter Geschichtskurs erarbeitet hat. So können sich nicht nur Schulklassen, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger auf den Spuren von Charles Schwarz und weiteren Kerpener Juden durch Kerpen gehen. Auf insgesamt neun Stationen vermitteln die Schülerinnen und Schüler Wissenswertes über Charles Schwarz und seine Familie, außerdem über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kerpen, ihre Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung. Vom jüdischen Friedhof am Bürrig geht es über die Mahnmale an der Alten Landstraße zum Standort des Bahnhofs, zum Ghettohaus am Filzengraben, vorbei an Wohn- und Geschäftshäusern zur ehemaligen Synagoge, an die eine jüdische Schule angeschlossen war. Von dort geht es über die Bachstraße zu den 2017 verlegten Stolpersteinen der Familien Brünell und Roer an der Eulen- und der Hahnenstraße und zum Wohnhaus der Familie Schwarz an der Bachstraße. Die letzte Station ist der Stiftsplatz, der sich im 19. Jh. zum Zentrum des Kerpener Lebens entwickelte, in das die jüdischen Familien fest integriert waren.

Den engagierten Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums, ihrer Lehrerin Bettina Macherey und ihrem Lehrer Markus Potes ist zu verdanken, dass ein bewegendes Zeugnis der jüdischen Geschichte Kerpens nun neu zugänglich gemacht wird.

Charles Schwarz hat Kerpen das letzte Mal am 17.04.2012 besucht, als er seinen französischen Enkelsöhnen Adrien und Clément im Stadtarchiv Kerpen die Chronik überreichte, die er auf Anregung und zusammen mit seinem Sohn Ariel recherchiert hatte. Charles Schwarz wollte seine Enkelsöhne so an ihre deutschen Wurzeln erinnern. Karl-Philipp Schwarz floh 1938 mit seiner Mutter nach Frankreich. Während sein schon früher emigrierter Vater Josef in Lyon verhaftet, deportiert und ermordet wurde, überlebten Karl-Philipp und seine Mutter im Untergrund. Seine Mutter kehrte nach Kerpen zurück, Karl-Philipp, der sich dann Charlesnannte, blieb in Frankreich, war aber häufig in Kerpen zu Gast. Als er am 14.01.2015 starb, war er der letzte in Kerpen geborene Jude, der den Holocaust überlebt hat. Seine Witwe Roselyne Schwarz hat das Engagement der Kerpener Schülerinnen und Schüler begrüßt und freut sich sehr darüber, dass auf diese Weise dauerhaft an ihren Ehemann und dessen Familie erinnert wird.

Im Herbst 2019 sollen Stolpersteine für die Mitglieder der Familie Schwarz verlegt werden. Der Verein der Heimatfreunde Stadt Kerpen e.V. wird die Übersetzung der Chronik in seiner Publikationsreihe „Beiträge zur Kerpener Geschichte und Heimatkunde“ als Band XVII veröffentlichen.