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"Labitur occulte fallitque volatilis aetas. Nihil est annis velocius."

Diese Zeilen aus Ovids Metamorphosen hat das Gutenberg-Gymnasium in Bergheim dem Nachruf auf seinen langjährigen Schulleiter Stephan Thies vorangestellt. Ins Deutsche übersetzt heißen sie: „Unbemerkt entgleitet und täuscht uns die flüchtige Zeit. Nichts ist schneller als die Jahre.“

Wenn jemand mit 61 Jahren als gesunder und tatkräftiger Mensch aus dem Leben gerissen wird, dann hat uns die flüchtige Zeit getäuscht und die Jahre sind offenbar schneller vergangen als wir gedacht haben. Stephan Thies, Deutsch- und Lateinlehrer, war 15 Jahre lang Schulleiter am Gutenberg-Gymnasium, vorher war er Lehrer bei uns, am Gymnasium der Stadt Kerpen.

Wir alle haben ihn als warmherzigen, intellektuell brillanten, diskussionsfreudigen Kollegen erlebt, dem soziale Gerechtigkeit sehr am Herzen lag. Er setzte sich unter anderem mit starken Argumenten für die Entlastung korrekturbelasteter Lehrer/innen ein. Bei Schülerinnen und Schülern war er sehr beliebt, wie viele Einträge bei Facebook zeigen: 

„Dieser wunderbare Lehrer hat meine Liebe zu Goethe und vor allen Dingen Faust geweckt. Unvergessen seine perfekt vorbereiteten Unterrichtsstunden. Ich hatte in seinen Stunden immer das Gefühl, dass es nicht nur ein Beruf, sondern Berufung ist.“ Lara Muncan

„Ein toller Lehrer, der nicht nur seinen Job sehr gut gemacht hat, sondern immer ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen seiner Schüler hatte. Das zeichnete ihn aus.“ Katrin Klenk

„Ich kann es nicht glauben. Gehörte er damals doch zu den jungen „Wilden“, als er uns als ersten LK Deutsch am THG bekam, frisch aus GB. War einer der besten Lehrer, die ich hatte, und hat es geschafft, mich für Kafka und Co. zu begeistern.“ Britta Konradt

Trotz immensen Arbeitsaufwands als Schulleiter hatte er Zeit und Energie für sein Hobby, bei dem er professionelle Qualitäten entwickelte: die Fotografie. Er hatte sich an der Dürener Straße in Blatzheim vor Kurzem erst ein Atelier eingerichtet, in dem er an der Präsentation seiner Bilder arbeitete. 

Wir trauern um ihn und wünschen seiner Familie Kraft für die kommende Zeit.

Bernd Woidtke