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Ich ohne Europa? Diese Frage an einem Europagymnasium mag auf den ersten Blick ein wenig verwundern. Und man hält sich vor Augen, dass in letzter Zeit in einigen Regionen und Ländern Europas diese Vorstellung nicht mehr einheitlich abgelehnt wird, die Menschen dort sich durchaus ihr Dasein ohne Europa vorstellen können.

Die verschiedensten Bearbeitungen dieser Fragestellung aus unserer Sicht wurden in diesem Jahr am 9. Mai in unserer Schule präsentiert: 

Aristoteles, ParacelsusGalileo Galilei , Lise Meitner, Niels Bohr, Alfred Nobel, Louis Pasteur, Isaac Newton - Chemie ohne Europa? Wir lernen zahlreiche wichtige Chemiker und Physiker aus Europa kennen, ohne die das Fach Chemie gar nicht denkbar wäre. Ein Projekt der Klasse 7.1. von Frau Wallenborn.

Frankreich und Deutschland getrennt? – Der 9. Mai ist auch der Jahrestag der Schumanerklärung, Anstoß für eine Wirtschaftsunion zwischen Frankreich und Deutschland. Ein Meilenstein auf dem Weg zur europäischen Union. Was wissen wir über die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Wer wollte, konnte sein Wissen beim Quiz der Französischkurseüberprüfen. Am Stand der Fachschaft Französisch konnten die Teilnehmer einen Diabolo Menthe gewinnen, welches ein typisches, bei Kindern in Frankreich sehr beliebtes Getränk ist, das aus Mineralwasser, Zitronenlimo und einem Schuss Zitrone und Minzsirup gemischt wird. Dazu mussten sie drei richtige aus fünf Fragen beantworten - rund um die deutsch-französischen Beziehungen und deren Rolle als zunächst wirtschaftlicher Motor der EG und seit jeher fester Bestandteil der EU. 

Ein Beispiel: Welches Unternehmen verbindet die Städte Toulouse und Hamburg?
A) Airbus
B) Concorde
C) Boeing

Hatten sie alle Fragen richtig, konnten sie darüber hinaus noch Süßigkeiten wie Madelaines und Baisers gewinnen. Der Stand war wie im letzten Jahr wieder sehr gut besucht. Der Französischkurs 8.1/3 von Frau Adam betreute die Besucher mit viel Charme

Gegenüber, am Stand des ERASMUS+ Projektes, konnte man zahlreiche Leckereien verkosten. Woher stammen die Rezepte? Die ERASMUS+ Gruppe hat ein Kochbuch erstellt – Mein Lieblingsrezept . In diesem Buch finden sich Rezepte aus den Partnerländern Ungarn, Spanien und Deutschland und auch aus den Herkunftsländern der Flüchtenden, mit denen die Gruppe arbeitet. 

Und dann in der zweiten kleinen Pause der große Auftritt: 

Zuerst sangen die Erasmus Schüler ihre Hymne gegen Vorurteile, die Frau Löwe-López und Herr Strucken-Bathke komponiert haben. Die vielen Zuschauer gingen begeistert mit. Im Anschluss konnte man auf dem Schulhof viele, viele Schülerinnen und Schüler gemeinsam tanzen sehen. „Ich bau `ne Stadt für Dich“ verdeutlicht für das ERASMUS Projekt den Traum, eine gerechtere Welt zu schaffen, oder, wie es eine Schülerin ausdrückt „auf unsere Stadt noch eine neue aufzubauen, in der Platz für alle ist“. Sogar von der Ulrich Grundschule in Sindorf war eine größere Gruppe angereist. Zusammen mit den Klassen von Frau Berg, Frau Brüsseler, Frau Hamm, Frau Thees, Herrn Kühl und Frau Schmikowski und weiteren zeigten sie ihren Flashmob.

Im 3. Block (11:45 - 13:20 Uhr) besuchte der Politwissenschaftler und Historiker Siebo M. H. Janssen die Europaschule zu einem Expertengespräch. Herr Strucken-Bathke hat ihn in der Aula zu innen- und außenpolitischen Herausforderungen der EU befragt. Am Ende der Veranstaltung hatten die Schüler/innen die Gelegenheit, Fragen an den Experten zu richten. Siebo Janssen arbeitet beim Heinz-Kühn-Bildungswerk als EU-, Benelux- und USA-Referent sowie als Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

Und so beschreibt der Schülerreporter Leon Paul die Veranstaltung: 

"Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas – Siebo Jansen im Gespräch

Zwei gemütliche Sessel in der Aula. Im Hintergrund ein Tisch auf Rollen mit Lautsprechern und einem Beamer. Davor eine Fahne, wie ein Teppich auf dem Boden, blauer Hintergrund und 12 Sterne im Kreis angeordnet. „Willkommen in unserem Wohnzimmer!“, begrüßt Herr Strucken-Bathke die Zuschauer metaphorisch. 

Sein Gast beim Podiumsgespräch: Siebo Janssen. Einer, der ohne große Überlegung alle Fragen über die EU beantworten kann. Kein Wunder, er hat acht Jahre studiert, einen Doktortitel in Geschichte, arbeitet als Uni-Lehrbeauftragter, arbeitete am Historischen Institut Köln und ist heute EU-Experte. Und der Moment des Interviews ist symbolisch: der 9. Mai 2018, Europatag. Was der Europatag ist? Das erklärte Siebo Janssen: Nach dem zweiten Weltkrieg fürchtete man noch Deutschlands Kohle- und Stahl-Macht. Wichtige Ressourcen im Falle eines weiteren großen Krieges. Vor genau 68 Jahren, am 9. Mai 1950 äußerte der französische Außenminister Robert Schuman eine wichtige Idee, die die Geschichte Europas komplett verändern würde: „Lasst uns Kohle und Stahl auf einer europäischen Ebene kontrollieren!“ Der sogenannte „Schuman-Plan“, dessen man am Europatag gedenkt. Zwei Jahre später war die Idee umgesetzt, indem eine Organisation gegründet wurde: „Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“. Doch bei Kohle und Stahl sollte es nicht bleiben. Die EGKS wurde auf immer mehr Bereiche ausgeweitet und entwickelte sich immer weiter. Heute kennen wir die Weiterentwicklung als Europäische Union, die EU.

Schöne Hintergrundgeschichte, jedoch sprach Janssen auch über aktuelle Ereignisse. Fazit: Die EU steht unter Beschuss. Wir haben uns stark an sie gewöhnt: Freies Reisen, günstige europäische Produkte, Auslandsjahre. Wir vergessen aber auch, dass Deutschland als Exportweltmeister unglaublich vom EU-Binnenmarkt profitiert und ärmere Länder in der EU unterstützt werden. Das zeigte auch ein vorgespielter Schülerfilm, der eine Situation ohne EU verbildlichen sollte: „Unternehmen sind überfordert: Weniger Auslandsprodukte heißt mehr Eigenproduktion. Aber weniger Export heißt auch weniger Geld.“ Und eine Videonachricht der Gruppe, die mit Herrn Deventer nach Rom flog, betonte noch einmal, wie viele Reise-Vorteile die EU für uns persönlich hat. 

Trotzdem fehlt vielen der persönliche Bezug zur EU.  Es entwickelt sich eine Zeit, wo die Menschen ihre persönliche Würde im Vordergrund sehen wollen und die Realpolitik dadurch oft vernachlässigt wird, erklärt Siebo Janssen. Eine Zeit des Autoritarismus, eine Zeit des Nationalismus, eine Zeit von Trump, Putin und Erdogan. Ihre Stärke: Sie motivieren ihre Anhänger. Die EU-Freunde nicht. Janssen führt das Fernsehen als Beispiel an: Sendungen über die EU werden auf 23 Uhr verlegt, in Talkrunden geht es fast nie um die Europäische Union und auch Martin Schulz hat wohl recht mit dem Satz: „In der EU wird der Erfolg nationalisiert und der Misserfolg europäisiert.“ Doch wenn sich der Autoritarismus mobilisiert, müssen die EU-Freunde das auch tun. Wir müssen uns mehr über die EU informieren, informiert werden und weiter informieren! In der Fragerunde der Schüler am Ende bemerkte man schnell: Das Interesse für die EU ist da und viele Fragen sind zu klären. Außerdem beweist Macron: Obwohl wir auf ein Zeitalter des Nationalismus zulaufen, EU-Freundlichkeit ist im Großen und Ganzen beliebt und wichtig!" Soweit der Text von Leon Paul.

Fotos

Uschi Zöller