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Gelegentlich kommt er zu spät. 

Das ist kein guter Anfang eines Artikels über einen verdienstvollen Lehrer, ich weiß. Aber er stimmt. Alleine für den Weg vom Lehrerzimmer zur Aulabühne (Hartmuts tausendfach gegangener Weg) braucht ein Normalsterblicher ungefähr zwei Minuten.

Nicht so Hartmut. Denn auf diesem Weg begegnen ihm mindestens fünf Kolleginnen und Kollegen und 25 Schülerinnen und Schüler. Und mit jedem hat er Wichtiges zu besprechen. Oder einfach nur eine Aufmunterung zu geben. Oder eine kurze Rückfrage zu stellen. Oder ein Lob zu verteilen. Das alles braucht seine Zeit! Das kann dann auch schon mal eine halbe Stunde dauern...

Denn Hartmut von Boetticher, eigentlich Deutsch- und Erdkundelehrer, ist hauptberuflich Theater-Intendant. Er leitet seit ewigen Zeiten die junge Theater AG an der Europaschule. Wer bei uns Theater spielen will, der muss in Hartmuts AG kommen. Was heißt hier „muss“? Der Andrang ist riesig. Warum? Weil man selten so stark durch den Lehrer motiviert wird, wie in dieser AG. Wer die Premiere von „Tintenblut“ am letzten Wochenende gesehen hat, der erinnert sich an die letzten Worte des Regisseurs: Er bedankte sich bei allen Beteiligten und erwähnte jeden einzelnen Helfer hinter der Bühne mit Namen – die Ton- und Lichttechniker, Kostüm- und Bühnenbildner, Maskenbildner, Bühnenhelfer  –, er konnte ganz genau sagen, wann sie zum Ensemble gestoßen sind, wann sie auch mal als Schauspieler in welcher Rolle auf der Bühne gestanden hatten. Er zeigte allen seine große Wertschätzung. Kein Wunder, dass auch Leute bei der „jungen“ Theater AG mithelfen, die eigentlich längst zu „alt“ sind, z.T. gerade im Abitur stehen.

Dass die junge Theater AG der Durchlauferhitzer für die Theater AG der „Großen“ ist, dass dort Leute ankommen, die mit dem Theater-Virus infiziert sind (Regina Fritz, die Leiterin, ebenso engagiert wie Hartmut, kann das bestätigen), das verdanken wir dem großen Theater-Mann und Menschenfreund Hartmut von Boetticher! Dafür ein Mega-Lob!

Bernd Woidtke