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Dr. Georg Kippels; Foto: Moritz Heck

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Kippels (CDU) besuchte am letzten Montag (22.5.17) unsere Schule. Was er hier machte? Fragen beantworten, Fragen beantworten, ein Interview geben und noch mehr Fragen beantworten. Um genau zu sein: An einem EU-Projekttag stellte er sich in mehreren Klassen, darunter auch der 8.8, dem Fragenhagel und übernahm in den einzelnen Klassen eine Doppelstunde Politik. Und was genau erzählte er? Ich berichte von seinen Antworten in der 8.8 und habe ihn zum Hauptthema „Europa und die EU“ interviewt.

In der 8.8

Eigentlich hätte ich mein Interview auch mit den vielen wichtigen Fragen meiner Mitschüler führen können. In den Klassenräumen fragten die Schüler und hörten sehr gebannt den Erzählungen aus dem Bundestag, aber auch der Meinung von Dr. Georg Kippels, zu. Ein großes Thema war das Berufsleben eines Bundestagsabgeordneten. Wir stellten fest, dass dieses ziemlich staunenswert ist. Zwar arbeitet man ziemlich hart, meist von vor 8 Uhr bis 22 oder 23 Uhr, aber man verdient mit 9300 Euro brutto im Monat, ganz ordentlich. Man ist als Politiker beruflich sehr eingeschränkt, aber manchmal sitzt man, wie Dr. Kippels, mal mit Bill Gates am Frühstückstisch. Natürlich sprachen wir auch über die aktuellen Themen, vor allem über die EU. Um euch auf dem neusten Stand zu halten:

- Die EU wird die Türkei nicht aufnehmen, da sie den demokratischen Standards der EU nicht entspricht.

- Wollen die großen Unternehmen Deutschland wegen zu hoher Regulierung und hohen Steuern verlassen? Die meisten wohl nicht, da Deutschland viele qualifizierte Arbeiter hat. Die Unternehmen stellen übrigens auch meist Flüchtlinge ein.

- Angriffe aus Nordkorea sollten laut Kippels diplomatisch vorbereitet werden.

- Ein EU-weiter Mindestlohn wird wahrscheinlich nicht eingeführt, da die Länder sich dazu wirtschaftlich zu stark unterscheiden.

- Keine weiteren EU-Mitglieder wollen laut jetzigem Stand austreten. Die Verhandlungen mit Großbritannien sind schwer und stehen unter Zeitdruck.

Im Interview

Ich empfehle das komplette Interview mit Dr.Kippels. Ansonsten gibt es im restlichen Artikel die Zusammenfassung:

Doch was nützt das? Wofür brauchen die Schüler das? „Europa ist unsere Zukunft“, ein klares Statement von Dr.Kippels: „Europa hat direkt nach dem zweiten Weltkrieg die Basis dafür gelegt, dass wir in Frieden und Freiheit, vor allen Dingen in Frieden, hier in Europa leben konnten.“ Die Völker Europas sind näher zusammengerückt. Er findet, dass sich durch die EU die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert haben und auch die Wirtschaft große Vorteile davon hat. Doch darf er das eigentlich? Darf er in einer Schule sagen, wie gut er die EU findet? „Ich versuche zunächst mal den Gedanken der EU zu erklären. (…) Ich glaube auch, dass für eine persönliche Bildung und Ausbildung europäische Erfahrung sprachlich und durch unterschiedliche gesellschaftliche Begebenheiten wertvoll ist. Ich werde keinem seine Meinung, der europafeindlich sein sollte, das habe ich hier noch nicht gehört, abschneiden. Aber dann ist mindestens mal wertvoll, dass wir in die Diskussion eintreten, denn die Diskussion fördert den Austausch von Fakten.“ Er glaubt, dass verstellt dargestellte Fakten und mangelnder Dialog das Stimmungsbild beim Brexit-Referendum beeinflusst haben. Uns soll so etwas nicht passieren. Aber verspürt er etwa nicht den Druck von EU kritischen Parteien, wie der AfD? Ja, aber er sieht, dass die Gegenseite, die Pro-Europäer, sehr stark sind. In der Globalisierung, wo große Länder der Welt einen Schritt aufeinander zu machen, ist so ein Bündnis natürlich sehr vorteilhaft. Kippels gibt aber auch zu, dass die EU verbesserungsfähig ist, wie auch Merkel findet er, dass es eine EU der verschiedenen Geschwindigkeiten geben muss, aber auch eine Konsolidierungsphase hält er für nötig (mehr dazu im kompletten Interview). Den Brexit sieht er kritisch. 19.000 Verträge müssen nun in 2 Jahren neu verhandelt werden. Eine „Herkulesaufgabe“ für Kippels. Und wie geht's nun weiter mit Großbritannien? „Die Überschriften, die für diese Verfahrensweise formuliert worden sind, sind auf der einen Seite, man will Großbritannien für ihren Schritt nicht bestrafen, aber man will ihnen auch nicht dieses „Cherry Picking“, also die Rosinen rauspicken, ermöglichen“, so Kippels.

Wie Dr. Georg Kippels eigentlich Bundestagsabgeordneter wurde? Das ist wirklich eine lange Geschichte! Eigentlich studierte er Jura und übernahm die Arbeit in der Anwaltskanzlei seines Vaters. Doch Menschen mit dem Gesetz zu helfen war ihm irgendwann nicht genug: Er wollte sich in die Politik einmischen, mitbestimmen können, Ansätze geben. Deshalb ging er zur CDU und wurde neben seinem „eigentlichen“ Beruf auch in der Kommunalpolitik aktiv, 20 Jahre lang. Nach einigen Erfolgen kam die CDU plötzlich mit einem überraschenden Angebot zu Kippels: „Hey, hören Sie mal, Sie waren doch 10 Jahre Fraktionsvorsitzender hier? 2013 stehen die Bundestagswahlen an! Wie wäre es, wenn Sie sich da als Direktkandidat für unseren Wahlkreis aufstellen?“ Er wagte es und ihm gelang mit 47,3% tatsächlich der Einzug in den Bundestag.

Bericht von Leon Paul, Kl. 8.8